Freitag, 11. Januar 2008

Das Tal der digital Ahnungslosen

In der ehemaligen DDR war es weit verbreitet, nicht nur die beiden Programme des DDR-Fernsehens, sondern auch von ARD und ZDF anzuschauen. Nicht nur im Ring um West-Berlin, sondern auch an der deutsch-deutschen Grenze ging die Reichweite des "Westfernsehens" weit ins Gebiet der DDR. Dies war durchaus gewollt, denn ARD und ZDF hatten leistungsstarke Sender in Grenznähe postiert. Durch die zu große Entfernung und die schlechten Ausbreitungsmöglichkeiten in Tallagen waren zwei Gebiete in der ehemaligen DDR vom Einfluss des Westfernsehen abgeschnitten. Dies betraf einmal das nordöstliche Gebiet um die Insel Rügen und im Südosten die Region um Dresden, woraus man für die Abkürzung "ARD" die Langform "Außer Rügen und Dresden" machte. Insbesondere Region um Dresden galt als das "Tal der Ahnungslosen", weil dort selbst mit großen technischem Aufwand kein Empfang von Westfernsehens möglich war und man sich dort lediglich über das Fernsehen der DDR informieren konnte.

Inzwischen gehört die Region um Dresden zu den florierenden in den neuen Bundesländern und kann sich über ein vergleichsweise hohes Wirtschaftswachstum und relativ niedrige Arbeitslosenzahlen freuen. Dieser Region hat es letztendlich in dieser Hinsicht also nichts geschadet. Und inzwischen haben auch die ARD und ZDF mit einer ganz anderen innerdeutschen Konkurrenz zu kämpfen. Das Kampfgebiet ist allerdings ein ganz ähnliches, denn auch hier geht es um die terrestrische Ausstrahlung von Fernsehen.

Als Ende der 1980er Jahre im Westen endgültig die Zeit des Kabelfernsehens anbrach und in den 1990ern nicht zuletzt durch das Astra-Satellitensystems vor allem im Osten die letzten Lücken in der Fernsehvollversorgung geschlossen wurden, schien die Zeit des terristrischen Fernsehens zu Ende zu gehen. Das verrauschte Bild, die geringe Auswahl von drei bis fünf Sendern und die starke Störanfälligkeit waren nicht wirklich ein positives Alleinstellungsmerkmal. Viele Fernsehzuschauer wechselten auf einen Kabelanschluss oder packten sich einen Satellitenschüssel auf ihr Hausdach.

Eine wirkliche Renaissance erfuhr die Ausstrahlung von Antennenfernsehen mit der Entscheidung der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg im Jahr 2003 die analoge Ausstrahlung über Antenne zugunsten einer digitalen über den neuen TV-Standard DVB-T zu beenden. Mit Umstellung versprachen sich alle Seiten eine deutliche Verbesserung der Qualität, eine erhöhte Programmvielfalt durch zusätzliche öffentlich-rechtliche und private Programme. Im Ballungsraum Berlin können die Menschen mit ihrer digitalen Set-Top-Box über eine Zimmerantenne inzwischen fast 30 TV-Stationen empfangen und dies kostenlos und in konstanter Qualität.

Viele Regionen in Deutschland sind dem Beispiel nun gefolgt, können allerdings beim Programmangebot nicht wirklich mithalten, da die Privatsender aus Kostengründen sich lediglich in den anderen großen deutschen Ballungsräumen an der Ausstrahlung beteiligen. Andernorts treiben die örtlichen Landesmedienanstalten, die ARD und das ZDF die flächendeckende Versorgung ohne private Partner voran. Dies gilt auch für weite Gebiete im Südwesten Deutschlands. Dort werden auch auch der Umstellung auf digitale Ausstrahlung lediglich öffentlich-rechtliche Sender zu empfangen sein, allerdings wird sich die Zahl von bislang drei mehr als verdoppeln.

Als der SWR schließlich ankündigte im November 2007 große Teile der Pfalz auf digitale Ausstrahlung umzustellen, war ich sehr hoffnungsvoll, schließlich hatte ich mir zum Beginn des Jahres 2007 einen USB-Stick für mein Notebook zugelegt mit man DVB-T-Signale empfangen konnte, schließlich war auch für Pfalz die Umstellung im Verlaufe des Jahres 2007 bereits angekündigt. So freute mich schon darauf, abends im Büro in südpfälzischen Landau nicht nur die Tagesschau anschauen zu können, sondern auch die restlichen Informationssendungen, was im Internet nicht per Stream zu empfangen ist. Schließlich ist man als Informationsjunkie stets auch an visueller Information interessiert.



Ich schaute schließlich in der letzten Woche wieder auf die Internetseite des SWR zum Thema DVB-T und musste erstaunt feststellen, dass zwar weitere Sender in Pfalz umgestellt worden sind, dass dies allerdings für Landau nichts geändert hat. Wie man auf der Karte entdecken kann, liegt Landau zwar im Gebiet, wo man mit Dachantenne durchaus DVB-T empfangen kann, aber der mobile Empfang unterwegs bzw. mit Zimmerantenne im Büro ist damit immer noch nicht möglich. Dies ist natürlich ärgerlich, aber um so heiterer war für mich die Erkenntnis, dass praktisch allein das Gebiet um Landau herum durchgehend mit einem Grünstreifen versehen ist. Da hast Du halt einfach Pech gehabt und wohnst weiter im Tal der digitalen Ahnungslosigkeit.

Immerhin bleibt mir als Bewohner der Stadt Landau noch die Option die Landesgrenze nach Baden-Württemberg zu überschreiten, um dieses Tal zu verlassen. Selbst die ahnungslosen Sachsen hatten die Möglichkeit bei ihren Bekannten und Verwandten in anderen Regionen der DDR ihre Ahnungslosigkeit in Grenzen zu halten. Mir hilft dabei mein geliebter Kabelanschluss in den heimischen vier Wänden und so schaut man sich die Bundestagsdebatten auf Phönix halt von Zuhause statt vom Büro aus an - ist ja auch viel gemütlicher.