Vorsicht “tokenism”! Über gefährliche Beteiligungsversprechen

6. Oktober 2011 - 22:54 Uhr

Die US-Amerikanerin Sherry R. Arnstein veröffentlichte im Jahr 1969 im Journal of the American Institute of Planners einen Artikel mit dem Titel “A Ladder of Citizen Participation“. Darin unterscheidet sie verschiedene Formen von Bürgerbeteiligung und entwickelt ihre achtstufige “Beteiligungsleiter”. Mit jeder Stufe nach oben steigt der Einfluss des Bürgers auf das “Endprodukt”. Die beiden untersten Stufen bezeichnet sie als “Nonparticipation”, bei denen es lediglich darum geht, Bürger zu manipulieren und zu therapieren. Die drei obersten Leiterstufen hingegen bezeichnet sie als “Degrees of citizen power”. Hier sind die Bürger auf Augenhöhe mit den Entscheidern oder können gar Entscheidungen indirekt oder direkt beeinflussen. Besonders interessant für das Thema Bürgerbeteiligung sind hingegen die zentralen Stufen auf der Leiter im mittleren Teil. Hier finden sich die drei Stufen “Informieren”, “Konsultieren” und “Beschwichtigen”, die sie in eine Gruppe mit der Bezeichnung “Degrees of tokenism” einordnet. Das englische Wort “token” lässt sich mit “symbolisch” übersetzen. Für Arnstein fallen darunter alle Beteiligungsformen, bei denen die Bürger letztendlich nicht die entscheidende Kraft haben am bestehenden Status Quo eine Veränderung selbst herbeizuführen.

“When participation is restricted to these levels, there is no followthrough, no ‘muscle,’ hence no assurance of changing the status quo” (Arnstein 1969: 217).


Quelle: Arnstein 1969 (S. 217)

Tokenism

Auch Beteiligungsformen, die unter dem Stichwort “tokenism” laufen, haben durchaus positive Eigenschaften. Die Bürger werden von den Entscheidungsträgern informiert, vielleicht sogar angehört. Das heißt, es gibt die Möglichkeit seine eigene Stimme zu erheben und den Mächtigen ein paar gute Ratschläge mit auf den Weg zu geben. Solange den Bürgern bewusst ist, dass die letztendliche Entscheidung nicht ihren Händen liegt, gehen auch solchen Form von Bürgerbeteiligung durchaus in Ordnung. Allerdings wird der Begriff “Bürgerbeteiligung” in vielen Debatten eher mit direkter Demokratie oder Entscheidungsbeteiligung gleichgesetzt. Ein Mehr an Bürgerbeteiligung meint ein Mehr an Mitentscheidung.

Mehr Bürgerbeteiligung durch Technik

Der Forderung nach mehr Beteiligung und Mitsprache wurde in 1960er und 1970er Jahren in der Bundesrepublik in Gestalt von verfassten Arbeitnehmer- oder Studierendenvertretungen vielerorts entsprochen. Seitdem ist der Ruf nach zusätzlichen Beteiligungsmöglichkeiten nicht verstummt. Demokratietheoretiker wie Carole Pateman oder Benjamin Barber unterstreichen die Wichtigkeit von Orten, wo Bürger Demokratie erlernen und erleben können. Besonderen Auftrieb erhält der Ruf durch technologische Innovationen. So träumte Amitai Etzioni schon 1972 von der “Electronic Town Hall” und Helmut Krauch zur gleichen Zeit mit seinem ORAKEL (Organisierte Repräsentative Artikulation Kritischer Entwicklungslücken) von einer “Computerdemokratie”. Im kalifornischen Palo Alto entwickelten Mitte der 1970er Vincent Campbell und Janet Santos ein Verfahren unter dem Namen “Televote“, ohne das heute keine Castingshow mehr auskommen würde. Mit dem Aufkommen von Satelliten- und Kabelrundfunk wurde dann echte Massenbeteiligung vorstellbar. Gerade die rückkanalfähigen TV-Kabelnetze inspirierten nicht zur die Informationswissenschaftler Gernot Wersig und Gerhard Vowe zur “Kabeldemokratie” (1983). Die hohen Erwartungen und Hoffnungen, die in diese von Technik inspirierten Ansätze gesetzt worden sind, wurden stets mehr oder minder enttäuscht. Seinen vorläufigen Höhepunkt hat die Diskussion um diese mediengestützten Beteiligungsverfahren mit der Verbreitung des Internets in Form des World Wide Web zum Ende der 1990er Jahre erreicht.

Beteiligungschance Internet?

Durch das weltweite Datennetz können inzwischen mehr Menschen miteinander in Kontakt treten, als dies jemals in dieser Welt möglich war. Neben dieser Eigenschaft der Kommunikation bietet das Internet zusätzlich die Möglichkeit Informationen abzulegen und hierfür eine große Öffentlichkeit herzustellen. Die Möglichkeiten des Netzes sind eigentlich nur durch die technischen Rahmenbedingungen eingeschränkt, die ihm zugrunde liegen. Aber das Internet ist durch diese vielfältigen Möglichkeiten längst zu einem eigenständigen Lebensraum geworden, der für einige Menschen einen besonderen Kosmos mit eigenen sozialen Normen und Regeln darstellt. Die Menschen aus diesem Kosmos werden oftmals als “Digital Natives” bezeichnet und haben mit der Piratenpartei auch eine genuin politische Vertretung.

Mehr Demokratie wagen

Die Piratenpartei hat im Mai 2010 einen Abschnitt mit den Titel “Mehr Demokratie wagen” in ihr Parteiprogramm aufgenommen. Darin wird “Mehr Teilhabe” angestrebt und das Ziel ausgegeben, “die direkten und indirekten demokratischen Mitbestimmungsmöglichkeiten jedes Einzelnen zu steigern”. Bei dieser Forderung können die Piraten mit großer Zustimmung aus der gesamten Bevölkerung rechnen, schließlich ist es populär den Bürgern mehr Mitsprache einzuräumen. Auch innerparteilich setzen die Piraten auf mehr Mitsprache und bedienen sich dabei technischen Hilfsmitteln, wie beispielsweise Liquid Feedback. Hier wird den Mitgliedern die Möglichkeit eingeräumt, Vorschläge einzubringen, zu diskutieren, gemeinsam zu bearbeiten und schließlich darüber abzustimmen.

Innerparteiliche Beteiligung bei den Piraten

Die Abstimmungsergebnisse in Liquid Feedback geben einen Hinweis auf das Meinungsbild innerhalb der Partei. Die letztendliche Entscheidung bspw. über Anträge zum Parteiprogramm wird vom Bundesparteitag getroffen, zu dem alle (!) Mitglieder der Piratenpartei eingeladen werden. Die anwesenden Mitglieder entscheiden also in letzter Instanz. Damit verzichten die Piraten – anders als die etablierten Parteien – bislang auf die Einsetzung von gewählten Delegierten als Vertreter der lokalen und regionalen Untergliederungen der Partei. Eine Form direkter Demokratie, die sich in der Praxis noch bewähren muss. Darüber hinaus strebt die Partei eine besondere Form von Transparenz politischer Meinungs- und Entscheidungsbildung an. Dazu zählt auch die öffentliche Vorbereitung von Vorstandssitzungen über das parteieigene Wiki. Zudem werden die Vorstandssitzungen des Bundesvorstands gestreamt und aufgezeichnet. Insgesamt sind die Piraten mehr als bemüht, die Arbeit der Partei und ihrer Vorstände durch Information bzw. Dokumentation transparent zu machen.

Transparenz durch Information – Willy Brandt im Jahr 1969

Diesen Anspruch nach mehr Transparenz und verbesserter Kommunikation findet sich bereits an anderer Stelle. Auch Willy Brandt sprach in seiner bekannten Regierungserklärung aus dem Jahr 1969 – wie heute die Piraten – von “Mehr Demokratie wagen” und meinte damit vor allem eines: mehr Information – nicht mehr Mitentscheidung!

„Wir wollen mehr Demokratie wagen. Wir werden unsere Arbeitsweise öffnen und dem kritischen Bedürfnis nach Information Genüge tun. Wir werden darauf hinwirken, daß nicht nur durch Anhörungen im Bundestag, sondern auch durch ständige Fühlungnahme mit den repräsentativen Gruppen unseres Volkes und durch eine umfassende Unterrichtung über die Regierungspolitik jeder Bürger die Möglichkeit erhält, an der Reform von Staat und Gesellschaft mitzuwirken.“

In derselben Regierungserklärung schlägt Brandt zudem vor, sowohl das aktive (von 21 auf 18) als auch das passive Wahlalter (von 25 auf 21 Jahre) zu senken. Er erweitert zwar damit den Kreis der Wahlberechtigten, aber zusätzliche Mitverantwortung soll es lediglich “in den verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft” geben.

Mehr Entscheidung? Mehr Information!

Der Anspruch und der Wunsch der Piratenpartei, ihrer Mitglieder und auch ihrer Wähler, geht über ein reines Mehr an Information hinaus. Information und Transparenz sind Selbstverständlichkeiten. Mit dem “Mitmachen” wird damit auch mehr Einfluss auf politische Entscheidungen suggeriert. Denn während man vielleicht bei den etablierten Parteien das Gefühl hat, dass Entscheidungen in den Hinterräumen der Macht fallen, sind die Piraten offen und berichten selbst aus ihren Fraktionssitzungen im Berliner Abgeordnetenhaus. Eine solche Form von Parteipolitik hat sicherlich Charme und überzeugt neue Mitglieder und Wähler. Aber geht es wirklich über solche Beteiligungsformen hinaus, die Arnstein mit dem Begriff “tokenism” umschrieben hat? Jeder darf seine Stimme erheben, seine Idee einbringen und Erklärung von “denen da oben” erwarten. Es geht also um “Informieren”, “Konsultieren” und “Beschwichtigen”.

Alles nur Scheinbeteiligung? Vorsicht “tokenism”!

Die Demokratie lebt immer von ihren Demokraten. Daher ist es zu begrüßen, wenn die Piraten neue Gruppen als Mitglieder und Wähler erschließen, die sich der Politik vorher wenig oder gar nicht mehr zugewendet haben.Doch diese Menschen sind möglicherweise von einem Beteiligungsversprechen angezogen, das nur schwer umgesetzt werden kann. Doch es sind nicht nur die Piraten allein. Auch neue Instrumente suggerieren bestimmten Menschen eine Mitentscheidung, die es faktisch so nicht gibt. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Möglichkeit, sich an Online-Petitionen des Deutschen Bundestages zu beteiligen. Dank E-Mail, Twitter und Facebook sind die notwendigen 50.000 Mitzeichner für eine Petition schnell gefunden. Doch selbst wenn 100.000 Teilnehmer eine Petition mitzeichnen, ist mit dem eigenen Votum keine politische Entscheidung verbunden. Durch eine Online-Petition kann der Deutsche Bundestag lediglich aufgefordert werden, sich einem Thema anzunehmen. Damit ist die Online-Petition eine gute Form von “agenda setting” und stellt womöglich Öffentlichkeit für ein Anliegen, ein Thema oder eine Position her. Das Problem ist das Beteiligungsversprechen, das Bürger womöglich in ein bestimmtes Instrument oder eben in eine Partei hineininterpretieren. Wenn die Menschen in der von ihr genutzten Beteiligungsform lediglich eine Form von Scheinbeteiligung – also “tokenism” – erkennen, tritt eine gewisse Enttäuschung ein und die Menschen wenden sich frustiert wieder ab. So erging es einst schon Sozialdemokraten, die Willy Brandts Ruf in die SPD gefolgt waren oder auch Mitgliedern der Grünen, die im Laufe der Jahre ihrer Partei fremd wurden.

Wer eingeladen wird, mitzumachen, kann leider nicht immer auch etwas mitentscheiden. Daher sind alle Beteiligungsversprechen daraufhin zu prüfen, ob sie am Ende nicht dazu führen, dass die Menschen sich um so frustierter wieder von der Politik abwenden. Politische Entscheidungen sollten stets in einer persönlichen Verantwortlichkeit – nämlich durch ordentlich gewählte Abgeordnete – getroffen werden. So ist es in unserer repräsentativen Demokratie üblich und funktional. Wenn ich aber beispielsweise die Meinungsbildung oder die Entscheidungsvorbereitung für interessierte Bürger öffnen möchte, muss ich diesen Menschen immer sagen, dass die Entscheidung letztendlich trotzdem von gewählten Abgeordneten getroffen wird. Viele Beteiligungsformen bleiben einfach nur “tokenism” und birgen daher ein Frustpotential.

Daher gilt: Nicht nicht zuviel versprechen, wenn nicht direkte Demokratie mit Entscheidungsmacht gemeint ist und damit wirklich Einfluss auf das Endprodukt an die Bürger abgegeben werdem soll.

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A la découverte de la région

25. Juni 2011 - 21:49 Uhr

Gruppenfoto vom Schüleraustausch in Dunkerque (Frankreich) im März 1994

Beim Durchforsten alter Kisten taucht immer wieder was auf. Heute etwas zu einem Schüleraustausch zwischen Frankreich und Deutschland. Der dazugehörige Artikel erschien in “La Voix des Vendredi” im französischen Dunkerque (Dünkirchen) am 18. März 1994. Torsten steht in der letzten Reihe und ist kaum zu sehen; die Frisur hat sich allerdings kaum geändert. Im Artikel steht, dass die französischen Gastgeber Anfang Mai auf Gegenbesuch nach “Westfalen” (!) kommen. Ob “Nordrhein” oder “Westfalen” – im Frühjahr 1994 gab es einen Schüleraustausch an der Theodor-Heuss-Schule in Ratingen mit dem College Jean-Zay in Dünkirchen.

Der Folgeartikel zum Besuch der französischen Gruppe in Deutschland ist ebenfalls aufgetaucht. Hier ist Torsten allerdings deutlich besser im Bild zu sehen.

Impressions d'échange franco-allemand au collège Jean-Zay

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Umzug von Blogger zu WordPress

30. Juli 2010 - 20:01 Uhr

Bislang wurden meine Weblogs über Blogger.com – dem Blogdienst von Google – verwaltet und auf meinem eigenen Webhosting abgelegt. Da dies nun nicht mehr möglich sein soll, habe ich alle Einträge in WordPress überführt, um weiterhin alle Weblogs selbst hosten zu können.

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Zufälle: 17% vom Kompetenzteam der SPD stammen aus dem Kreis Kleve

31. Juli 2009 - 10:57 Uhr

Wie ein Blick auf das 18köpfige Kompetenzteam der SPD zur Bundestagswahl 2009 (plus Kanzlerkandidat F.W. Steinmeier) zeigt, stammen 17% der Kompetenz vom Niederrhein:
http://www.spd.de/de/politik/Bundestagswahl/team/index.html

Dr. Barbara Hendricks, MdB
Verbraucherschutzpolitik
Geboren am 29. April 1952 in Kleve;
katholisch

Barbara Kisseler
Kulturpolitik
08.09.1949 geboren in Asperden, Kreis Kleve

Dr. Carola Reimann, MdB
Hochschul- und Forschungspolitik
geboren am 25.08.1967 in Goch/Kreis Kleve,
ledig

Es ist natürlich nicht nur mir allein aufgefallen:

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"Dr." Kai Schürholt III

23. Juli 2009 - 22:50 Uhr

Gibt es einen neuen Schürholt?

Spiegel Online meldet heute:

CDU-Politiker soll falscher Doktor sein
Im thüringischen Nordhausen steht ein Lokalpolitiker unter dem Verdacht, seine Vita frisiert zu haben. Er führe zu Unrecht einen Doktortitel, warf ihm die Meldebehörde der Stadt vor – und kassierte gleich seinen Ausweis ein. Der CDU-Politiker wehrt sich, bisher vergebens.

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,druck-637812,00.html

Wer mehr über Kai Schürholt selbst wissen möchten, findet ein stattlichen Eintrag bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kai_Schürholt

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Zitieren mit Word und Endnote

2. Februar 2009 - 15:02 Uhr

Die Software Endnote kann nicht nur Literatur verwalten, sondern auch Zitierungen einfügen und Literaturverzeichnisse erstellen.

1. Schritt

  • Word öffnen
  • Endnote und entsprechende Bibliothek öffnen

2. Schritt

  • Einzelne Einträge können aus Endnote heraus per “Drag&Drop” nach Word gezogen werden.
  • Alternativ können Einträge über die Endnote-Symbolleiste in Word (4. Button) oder die Symbolleiste in Endnote (12. Button) in Word eingefügt werden.

Endnote fügt in Word ein dynamisches Feld ein.

3. Schritt

Um aus den kryptischen Eintrag ein Zitierung zu machen, muss man zunächst die Funktion “Foramt Bibliography” aktivieren.

Endnote fragt dann danach, welches Output-Style gewählt werden soll.
Die Output-Styles setzen die Regeln fest, wie zitiert wird und wie das Literaturverzeichnis aussehen sollen.

Um den Output-Style für die Landauer Politikwissenschaft zu nutzen, kann man sich die folgende Datei herunterladen und in den eigenen Output-Style speichern:
IPW_Output_Style_%28Version%201%29.ens

Den entsprechenden Ort für die eigenen Output-Styles lässt sich in den Einstellung von Endnote erfahren:

Edit | Preferences | Folder Locations

Sollte der angebene Ordner nicht existieren, so muss dieser noch selbst angelegt werden.

Sobald die Datei im entsprechenden Verzeichnis liegt, kann man den Output-Style aus der Liste mit allen verfügbaren Styles auswählen.

4. Schritt

Nach der Auswahl des Output-Styles macht Endnote aus dem dynamischen Feld eine richtige Zitierung und fügt zudem automatisch ein Literaturverzeichnis ein.

5. Schritt

Um die Zitierstellen um weitere Angaben (wie Seitenzahlen, o.ä.) zu ergänzen klickt man mit der rechten Maustaste auf die Jahrezahl und geht dann ins Untermenü “Edit Citation(s) | More …”.

Dort lassen sich nun “Prefix”, “Suffix” und “Pages” ergänzen. Sollte mehrere Quellen gleichzeitig zitiert werden, so lassen sich über die beiden Pfeile (neben Remove) die Reihenfolge der Quellen in der Zitierung festlegen.

Das Ergebnis sieht dann beispielsweise so aus:

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Update auf Version X2.01 bzw. X2.02: Integrated Library and Online Search Mode

30. Januar 2009 - 17:41 Uhr

Der Hersteller von Endnote – die Firma Thomson Reuters – bietet für die Anwender der Mac- und Windows-Version von Endnote X2 ein Update an:
http://www.endnote.com/support/ENX201_WinMac_updater.asp

Für alle Windows-Anwender wird die Software damit auf Version X2.02 aktualisiert und um einige kleinere Fehler bereinigt:
http://www.endnote.com/support/updates/ENX202Update.zip

Wesentliche Neuerung mit Version X2.01

Seit Version X2.01 ist es in Endnote X2 möglich zwischen drei verschiedenen Betriebsmodi zu wählen:

  • Integrated Library & Online Search Mode
  • Local Library Mode
  • Online Search Mode (Temporary Library)

Der aktuelle Betriebsmodus wird über drei Buttons in der Symbolleiste eingestellt und hat vor allem Einfluss auf das Importverhalten der Anwendung.

Integrated Library & Online Search Mode

Es werden stets die aktuelle Bibliothek sowie die externen Datenbanken für den Import angezeigt. Alle Suchergebnisse gehen sofort in die aktuelle Bibliothek. Fehlerhafte Recherchen führen somit dazu, dass auch unerwünschte Quellen aufgenommen werden und nachträglich einzeln gelöscht werden müssen. Da dies insbesondere bei ungenauen Suchanfragen nicht wünschenswert ist, sollte man für den Import aus Datenbanken auf den Online Saerch Mode umschalten.

Local Library Mode

Die externen Datenbanken sind ausgeblendet und man arbeitet in der aktuellen Bibliothek ohne Einträge importieren zu können.

Online Search Mode (Temporary Library)

Die externen Datenbanken sind eingeblendet und fehlt stattdessen die aktuelle Bibliothek. Nach einer Suchanfrage fließen die Suchergebnisse zunächst in eine temporäre Bibliothek. Von dort aus müssen die richtigen Suchtreffer dann in die eigene Bibliothek importiert werden, bevor man die Einträge bearbeiten kann. (Bis zur Version X1 von Endnote war dies das Standard-Verfahren.)

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Die erste Monographie

20. Januar 2009 - 14:44 Uhr

In Endnote gibt es im wesentlichen zwei grundsätzliche Wege um neue Quellen aufzunehmen:

1. Entweder man tippt die Daten selber in Endnote ein …
oder 2. Man importiert die Angaben aus einer Datenbank.

Man nehme sich ein Buch; zum Beispiel eines vom deutschen Soziologen Niklas Luhmann.

1. Der manuelle und lästige Weg

Auf der Titelseite des Buches erfahren wir, wer das Buch geschrieben hat, wer der Verfasser ist und bei welchem Verlag es erschienen ist.

Diese Daten können wir in Endnote bereits übernehmen. Legen Sie hierzu einfach eine neue Quelle (reference) an. Der schnellste Weg dahin führt über den folgenden Shortcut: STRG + N.

References | New References

Es öffnet sich ein Fenster, wo vielen Angaben gemacht werden können. Um die passenden Felder angezeigt zu bekommen, muss man zunächst die richtige Quellenart (reference type) auswählen. In unserem Fall nehmen wir einfach Book.
Nun geht’s los. Die Felder Author, Year, Title und Publisher können bereits gefüllt werden.

Namen sollten in der Nachname, Vorname angegeben werden. Der rot unterlegte Name deutet in diesem Fall lediglich darauf hin, dass der Autor dem Programm noch unbekannt ist. Sollte eine Institution keinen Vornamen haben, so endet der Autoreneintrag einfach mit einem Komma, also z.B.: “Bundeszentrale für politische Bildung,”.

Nun fehlen noch einige Angaben, die sich auf der nächsten Seite im Buchimpressum finden sollten.

Man erfährt dort den Verlagsort und die Auflage. Beide Angaben werden hinzugeführt
Der Eintrag ist nun fertig und sollte nun so aussehen:

2. Der einfache, aber nicht immer bessere Weg

Da auf der ganzen Welt bereits einige Menschen diese Angaben zum Buch zusammengetragen haben und wir uns im Zeitalter einen weltumspannenden Netzes befinden, kann man davon profitieren. Die Leute, die sich beruflich mit vielen Büchern beschäftigen, sind Bibliothekare, deren Job es ist, Bücher bibliothekarisch zu erfassen. Heute tun Sie dies elektronisch und arbeiten dabei zumeist in Bibliothekverbünden. Diese tragen dann Abkürzungen wie HBZ, SWB, oder GBV und sind auf der Fernleihe bekannt. Im Falle der letzten Beiden, kann man die dort hinterlegten Daten kostenlos abrufen und in Endnote importieren.

Hierzu wechselt man zur erstmaligen Verwendungen in den sogenannten Connection Manager. Dort sind in Endnote Hunderte von Datenbanken und Bibliothekskatalogen hinterlegt, aus denen Endnote Daten importieren kann.

Edit | Connection Files | Open Connection Manager …

Dort findet sich ein Eintrag GBV, der aktiviert werden muss.

Nachdem man den Connection Manager geschlossen hat, findet sich links im Hauptfenster von Endnote unter Online Search ein neuer Eintrag GBV können. Wählt man diesen aus, so öffnet das Programm eine Verbindung zu diesemVerbundkatalog und es zeigt sich unten ein Suchformular. Dies geht allerdings nur dann, wenn eine Internetverbindung besteht.

Im Suchformular sollte eine Suche nach ISBN duchgeführt werden. Hierzu geben wir die ISBN aus dem Buchimpressum ein.

Es sollte genau ein Treffer gefunden werden, der sogleich in die Datenbank übernommen wird.

Wirft man einen Blick auf den Eintrag, so sieht man, dass man mit einer Suchanfrage per ISBN viele Angaben erhält, ohne dass weitere Angaben selbst eintippen musste.
Allerdings hat diese Methode auch Nachteile.

  1. Die Daten sind in ihrer Form an bibliotherische Regeln gebunden, was nicht immer mit wissenschaftlicher Zitierfähigkeit zusammenhängt.
  2. Einige Angaben sind abgekürzt oder schlicht überflüssig.
  3. Es ist nicht auszuschließen, dass auch der Bibliothekar einen Fehler gemacht hat, als er die Angaben erfasst hat.

Daher gilt: Alle Angaben müssen abschließend kontrolliert und korrigiert werden. Das bedeutet, man sollte es mit den Daten aus dem vorliegenden Buch abgleichen und die Angaben entsprechend der eigenen Vorgaben für das wissenschaftliche Zitieren abändern.

So schnell das Importieren von Daten in Endnote auch machbar ist, so geboten ist es gleichzeitig, die Angaben in Ruhe sorgfältig zu prüfen. Von der eingesparten Zeit sollte man stets wieder ein wenig in eine Plausibilitätsprüfung und Endkontrolle investieren.

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Allgemeine Hinweis aus den Tipps und Hinweise zum wissenschaftlichen Arbeiten der Abteilung Politikwissenschaft am Institut für Sozialwissenschaften an der Universität Koblenz-Landau:

Monographien/Bücher Neben dem Vor- und Nachnamen des Autors muss der jeweilige Buchtitel sowie Verlagsort und Verlag angegeben werden. Beinhaltet der Name des Verlags das Wort „Verlag“, so kann dieser abgekürzt werden. So wird z.B. aus „Baden-Baden: Nomos Verlag“ einfach „Baden-Baden: Nomos“. Auf die Angabe der Auflage (engl.: Edition) sollte bei Erstauflagen verzichtet werden, sie ist allerdings bei (veränderten) Folgeauflagen unbedingt erforderlich. Sollten mehrere Verlagsorte genannt sein, so sollte nur der erste genannt werden. Alternativ ist es möglich mehrere Orte durch Querstriche voneinander getrennt anzugeben („Berlin/New York/Wien“).

  • mit einem Autor: Nachname, Vorname (Jahr): Titel. Untertitel. [Auflage.] Ort: Verlag.
    z.B.: Luhmann, Niklas (2004): Die Realität der Massenmedien. 3. Auflage. Wiesbaden: VS.
  • mit mehreren Autoren Nachname, Vorname/Nachname, Vorname (Jahr): Titel. Untertitel. [Auflage.] Ort: Verlag.
    z.B.: Mayntz, Renate/Scharpf, Fritz W. (1995): Gesellschaftliche Selbstregelung und politische Steuerung. Frankfurt am Main: Campus.
  • in Endnote: Book Author (Year): Title. Edition. City: Publisher|.

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Angepasste Verbindungsdateien für Import in Endnote

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Der Einstieg

19. Januar 2009 - 14:58 Uhr

Eine neue Bibliothek anlegen

In einer Bibliothek speichert Endnote seine Referenzen (references) ab. Es können beliebig viele Bibliotheken angelegt werden, allerdings macht es durchaus Sinn alle Quellen in eine gemeinsame Bibliothek zu packen.

File | New Reference Library

Hinweis zum Dateiformat von Endnote

Endnote legt jeweils eine einzelne Datei und einen Datenordner an. Um die Bibliothek zu sichern müssen immer beide kopiert bzw. abgespeichert werden. Die Datei alleine reicht hierzu nicht aus.

Ein Hinweis für Experten: Im Ordner “DATEINAME.Data” werden die Datenbank mit den Einträgen (Unterordner: rdb) als auch mögliche angehängte Dateien (Unterordner: pdf) gespeichert.

Der erste Start mit Endnote

Das Endnote-Fenster ist in vier Bereiche eingeteilt. Oben ist die Symbolleiste, links die Gruppenansicht (mit Verbindungen), rechts zentral die Referenzenliste und rechts unten die Vorschau bzw. die Suchleiste, zwischen denen über einen Reiter gewählt werden kann.

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Das Tal der digital Ahnungslosen

11. Januar 2008 - 13:40 Uhr

In der ehemaligen DDR war es weit verbreitet, nicht nur die beiden Programme des DDR-Fernsehens, sondern auch von ARD und ZDF anzuschauen. Nicht nur im Ring um West-Berlin, sondern auch an der deutsch-deutschen Grenze ging die Reichweite des “Westfernsehens” weit ins Gebiet der DDR. Dies war durchaus gewollt, denn ARD und ZDF hatten leistungsstarke Sender in Grenznähe postiert. Durch die zu große Entfernung und die schlechten Ausbreitungsmöglichkeiten in Tallagen waren zwei Gebiete in der ehemaligen DDR vom Einfluss des Westfernsehen abgeschnitten. Dies betraf einmal das nordöstliche Gebiet um die Insel Rügen und im Südosten die Region um Dresden, woraus man für die Abkürzung “ARD” die Langform “Außer Rügen und Dresden” machte. Insbesondere Region um Dresden galt als das “Tal der Ahnungslosen”, weil dort selbst mit großen technischem Aufwand kein Empfang von Westfernsehens möglich war und man sich dort lediglich über das Fernsehen der DDR informieren konnte.

Inzwischen gehört die Region um Dresden zu den florierenden in den neuen Bundesländern und kann sich über ein vergleichsweise hohes Wirtschaftswachstum und relativ niedrige Arbeitslosenzahlen freuen. Dieser Region hat es letztendlich in dieser Hinsicht also nichts geschadet. Und inzwischen haben auch die ARD und ZDF mit einer ganz anderen innerdeutschen Konkurrenz zu kämpfen. Das Kampfgebiet ist allerdings ein ganz ähnliches, denn auch hier geht es um die terrestrische Ausstrahlung von Fernsehen.

Als Ende der 1980er Jahre im Westen endgültig die Zeit des Kabelfernsehens anbrach und in den 1990ern nicht zuletzt durch das Astra-Satellitensystems vor allem im Osten die letzten Lücken in der Fernsehvollversorgung geschlossen wurden, schien die Zeit des terristrischen Fernsehens zu Ende zu gehen. Das verrauschte Bild, die geringe Auswahl von drei bis fünf Sendern und die starke Störanfälligkeit waren nicht wirklich ein positives Alleinstellungsmerkmal. Viele Fernsehzuschauer wechselten auf einen Kabelanschluss oder packten sich einen Satellitenschüssel auf ihr Hausdach.

Eine wirkliche Renaissance erfuhr die Ausstrahlung von Antennenfernsehen mit der Entscheidung der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg im Jahr 2003 die analoge Ausstrahlung über Antenne zugunsten einer digitalen über den neuen TV-Standard DVB-T zu beenden. Mit Umstellung versprachen sich alle Seiten eine deutliche Verbesserung der Qualität, eine erhöhte Programmvielfalt durch zusätzliche öffentlich-rechtliche und private Programme. Im Ballungsraum Berlin können die Menschen mit ihrer digitalen Set-Top-Box über eine Zimmerantenne inzwischen fast 30 TV-Stationen empfangen und dies kostenlos und in konstanter Qualität.

Viele Regionen in Deutschland sind dem Beispiel nun gefolgt, können allerdings beim Programmangebot nicht wirklich mithalten, da die Privatsender aus Kostengründen sich lediglich in den anderen großen deutschen Ballungsräumen an der Ausstrahlung beteiligen. Andernorts treiben die örtlichen Landesmedienanstalten, die ARD und das ZDF die flächendeckende Versorgung ohne private Partner voran. Dies gilt auch für weite Gebiete im Südwesten Deutschlands. Dort werden auch auch der Umstellung auf digitale Ausstrahlung lediglich öffentlich-rechtliche Sender zu empfangen sein, allerdings wird sich die Zahl von bislang drei mehr als verdoppeln.

Als der SWR schließlich ankündigte im November 2007 große Teile der Pfalz auf digitale Ausstrahlung umzustellen, war ich sehr hoffnungsvoll, schließlich hatte ich mir zum Beginn des Jahres 2007 einen USB-Stick für mein Notebook zugelegt mit man DVB-T-Signale empfangen konnte, schließlich war auch für Pfalz die Umstellung im Verlaufe des Jahres 2007 bereits angekündigt. So freute mich schon darauf, abends im Büro in südpfälzischen Landau nicht nur die Tagesschau anschauen zu können, sondern auch die restlichen Informationssendungen, was im Internet nicht per Stream zu empfangen ist. Schließlich ist man als Informationsjunkie stets auch an visueller Information interessiert.

Ich schaute schließlich in der letzten Woche wieder auf die Internetseite des SWR zum Thema DVB-T und musste erstaunt feststellen, dass zwar weitere Sender in Pfalz umgestellt worden sind, dass dies allerdings für Landau nichts geändert hat. Wie man auf der Karte entdecken kann, liegt Landau zwar im Gebiet, wo man mit Dachantenne durchaus DVB-T empfangen kann, aber der mobile Empfang unterwegs bzw. mit Zimmerantenne im Büro ist damit immer noch nicht möglich. Dies ist natürlich ärgerlich, aber um so heiterer war für mich die Erkenntnis, dass praktisch allein das Gebiet um Landau herum durchgehend mit einem Grünstreifen versehen ist. Da hast Du halt einfach Pech gehabt und wohnst weiter im Tal der digitalen Ahnungslosigkeit.

Immerhin bleibt mir als Bewohner der Stadt Landau noch die Option die Landesgrenze nach Baden-Württemberg zu überschreiten, um dieses Tal zu verlassen. Selbst die ahnungslosen Sachsen hatten die Möglichkeit bei ihren Bekannten und Verwandten in anderen Regionen der DDR ihre Ahnungslosigkeit in Grenzen zu halten. Mir hilft dabei mein geliebter Kabelanschluss in den heimischen vier Wänden und so schaut man sich die Bundestagsdebatten auf Phönix halt von Zuhause statt vom Büro aus an – ist ja auch viel gemütlicher.

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