Archiv für Oktober 2005


Voice over IP – Ein Erfahrungsbericht nach 69 Tagen

24. Oktober 2005 - 12:10 Uhr

Ganz allgemein

Die Zeiten alter Festnetz-Telefonie sind nun über zwei Monate vorbei. Der alte ISDN-Anschluss musste zusammen mit der gesamten Gerätschaft einem VoIP-Anschluss weichen. Möglich machte dies ein neuer Kabelinternetanschluss, für den durch die Kooperation vom Kabelnetzbetreiber Telecolumbus (Ebene 4) und Kabelnetzbetreiber ISH (Ebene 3) und der Aufrüstung vieler Mehrfamilienhäuser im Ratinger Osten zum Sommer 2005 die Voraussetzung geschaffen wurde.

Seitdem läuft der 2MBit-Internetanschluss über das Kabelnetz ohne Probleme und versorgt meinen Haushalt mit der Anbindung ans weltweite Datennetz. Ein neu angeschaffter Router der Firma Draytek sorgt für die Versorgung alle PCs mit Internet und der zwei Telefon an die SIP-Anbieter dus.net und sipgate.de. Beide Telefone sind über zwei verschiedene Festnetznummern zu erreichen, so dass im Vergleich zum alten ISDN-Anschluss ebenfalls zwei Leitungen zur Verfügung stehen. Die gewohnten Dienste wie die Rufnummeranzeige sind auch weiterhin über die neuen Anbieter möglich.

Sprachqualität und Leitungsstabilität

Nachdem der Einstieg in VoIP über Softphones eher mäßig gewesen, kann ich heute festhalten, dass man kaum einen Unterschied zu einem normalen Telefongespräch ausmachen kann. Insbesondere die Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung haben praktisch keinen Unterschied ausgemacht. Die Qualität ist deutlich besser als bei einem Handygespräch, kommt allerdings in seiner Konstant nicht ganz an ein ISDN-Gespräch heran. So ist auf meiner Seite in einigen wenigen Fällen ein kleines Echo von einem selbst zu hören, das zwar nicht sonderlich störend ist, aber immerhin wahrgenommen werden kann. Ein größeres Manko war bislang, dass einige Gespräche abrupt abgebrochen wurden. Dies war zwar nur selten der Fall, ist dann aber im Einzelfall natürlich störend, da man in diesem Fall erneut anrufen muss. Womit dieser Fehler zusammenhängt, konnte ich leider noch nicht herausfinden. Insgesamt ist der Anschluss zum privaten Telefonieren vollkommen ausreichend. Durch die Möglichkeit im Problemfall auf den jeweils anderen der beiden Anbieter zurückgreifen zu können, ist man jedenfalls auf der sicheren Seite.

Laufende und einmalige Kosten

Die Umstellung auf VoIP hing nicht zuletzt mit dem Wunsch zusammen, laufende Kosten zu reduzieren ohne gleichzeitig große Funktionseinbußen akzeptieren zu müssen.
Vor der Umstellung sah es mit den Kosten folgendermaßen aus:
– ISDN-Anschluss der T-Com: 24,95 € mtl.
– T-DSL 1000 (1 MBit): 16,99 € mtl.
– DSL-Flatrate: 9,95 € mtl.
Zu diesen Fixkosten von 51,89 Euro mtl. kamen die üblichen die Gesprächskosten.

Aktuell sieht es so aus:
– Kabelinternetanschluss (2 MBit, Infocity powered by ISH): 34,90 € mtl.
– dus.net-SIP-Anschluss mit Festnetznummer: 0,00 € mtl.
– sipgate.de-SIP-Anschluss mit Festnetznummer: 0,00 € mtl.
Zu diesen Fixkosten von 34,90 Euro mtl. kommen weiterhin die üblichen die Gesprächskosten über die beiden SIP-Anbieter.

Die laufenden Kosten fallen also um 16,99 € geringer aus. Damit ist die Rechnung allerdings nicht vorbei, schließlich fallen Kosten für die technische Umstellung auf neue Hardware und Wechselgebühren für die alte Festnetznummer an. Die Anschlussgebühren von rund 99 € für den Internetanschluss sind übrigens aufgrund einer Aktion komplett weggefallen.)
– T-Com-Gebühr für Rufnummernwechsel: 6,00 €
– dus.net Portierungsgebühr für Festnetznummer: 29,90 €
– Router mit 2 VoIP-Anschlüssen (Draytek Vigor 2900 VG): 210,00 € (inkl. Versand)
– 2 analoge Schurlostelefone (Siemens Gigaset 3010): 50,00 € (gebraucht bei eBay)
– Kabelage und Adapter: 20,00 €

Der Verkauf der alten – nicht mehr benötigten – Hardware (Siemens Gigaset 3075 ISDN-Anlage, Fritz Classic ISDN-Karte, D-Link DI-514 Router) bei eBay brachte nach Abzug der Gebühren ingesamt 52 €.

Verrechnet man alle Einzelbeträge miteinander, so kommt man auf -263,90 € (ergibt sich aus -315,90 + 52,00). Damit braucht man rund 16 Monate bis sich die Investition restlos rentiert hat. Da man nicht unbedingt gleich einen umfassend ausgestatten Draytek-Router (u.a. mit USB-Printserver) benötigt, lassen sich da je nach eigenen Wünschen bei vergleichbaren Geräten mehr als 80 € einsparen, so dass sich die 15 Monate durchaus auf deutlich weniger als ein Jahr reduzieren lassen.

Fazit

Die hohe Anfangsinvestition macht die Umstellung zu keiner leichten Entscheidung, allerdings muss man sich jeden Einzelfall genau anschauen, zumal mein Einzelfall wahrscheinlich nicht unbedingt typisch ist. Benötigt man grundsätzlich nur eine Telefonleitung über die man telefoniert, so reicht ein deutlich billigerer Kabelinternetanschluss mit nur 256 KBit (mtl. Ersparnis: 15,00 €). Je nachdem welche Hardware man anschafft, sind bereits analoge Telefon vorhanden. Im Kern bleibt lediglich die Gebühr für einen neuen VoiP-Router bzw. VoIP-Adapter, die bei eBay bereits für unter 50 € zu bekommen sind.
Die Qualität einer VoIP-Verbindung über einen Kabelinternetanschluss ist gut und in der Regel stabil, so dass hierin kein Grund zur Besorgnis liegen sollte.
Der Umstieg hat sich aus meiner Sicht gelohnt. Nicht zuletzt der schnelle Kabelinternetzugang (schnellere Reaktionszeit als bei DSL) und die kostenlose VoIP-Gespräche machen wirklich Spaß.

Informationen zum Einsteig, Umstieg und auch zu Problemen mit VoIP gibt es übrigens im IP-Phone-Forum.

http://www.ip-phone-forum.de/

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