Archiv für Dezember 2007


"Dr." Kai Schürholt II

26. Dezember 2007 - 19:35 Uhr


Mit dem folgenden Schreiben wandte sich Kai Schürholt online an die Bürger von Landau. Der Text war bis zum 24. August 2007 als Teil des Internetangebots der CDU Landau abrufbar, bevor er im Verlaufe des Tages schließlich gelöscht wurde. Es war der Tag, an dem der Kandidat Schürholt bestätigte, auch die Krankheit lediglich vorgetäuscht zu haben.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger
der Stadt Landau,

in den letzten drei Wochen musste ich krankheitsbedingt den Wahlkampf für den Oberbürgermeister der Stadt Landau aussetzen, um mich in Berlin einer täglichen Behandlung zu unterziehen. Jetzt hat sich ergeben, dass die tägliche Behandlung auch in den nächsten vier Wochen unverändert fortgesetzt werden muss, um meine Genesung sicherzustellen. das heißt, es ist für mich ausgeschlossen, dass ich vor dem 2. September 2007 bzw. dem 16. September 2007 in Landau aktiv in den Wahlkampf eingreifen kann, um für die CDU und mich zu werben. Um meinen Genesungsprozess nicht zu belasten, wird es mir – im Gegensatz zu den letzten Wochen – auch nicht mehr möglich sein, aus der Ferne konzeptionell und inhaltlich den Wahlkampf mitzugestalten.

Als ich im Mai 2007 nach Landau kam, war es mein Ziel in den verbleibenden Monaten bis zur Wahl mit den Landauerinnen und Landauern ins Gespräch zu kommen, mich und meine Ideen für die Stadt vorzustellen. Dies und damit ein echter Wahlkampf bleiben mir leider verwehrt, so dass ich die selbstgesetzten Erwartungen der Bürger notwendig enttäuschen muss. Gleichzeitig kann ich in einer stark personenbezogenen Wahl nicht vor Ort Präsenz zeigen. Es ist daher für mich nur konsequent, dass ich heute meinen Rücktritt von der Kandidatur für den Oberbürgermeister der Stadt Landau erkläre.

Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, zumal ich von der CDU Landau und den vielen aktiven Mitstreitern in der Initiative „Schürholt für Landau“ mit offenen Armen empfangen wurde, mit großem Engagement unterstützt und in den letzten Wochen mit viel Anteilnahme und Verständnis begleitet wurde. Ich hätte mir sicherlich einen anderen Verlauf des Wahlkampfes vorgestellt, doch die Ereignisse dieser Wochen liegen schlicht nicht in meiner Hand und haben mir Grenzen gesetzt.

Ich bitte darum, den Wahlleiter der Stadt Landau, Herrn Oberbürgermeister Dr. Christof Wolff, die Mitstreiter im Wahlkampf und die Bürger der Stadt Landau über meinen Rücktritt zu informieren und alles Erforderliche zu veranlassen.

Für das in mich gesetzte Vertrauen, die herzliche Aufnahme und für die großartige Unterstützung bedanke ich mich sehr. Gerne denke ich an die vielen gewonnenen neuen Freunde, die guten Erfahrungen im Wahlkampf und das schöne Landau. Ich hoffe auf ein Wiedersehen nach meiner Genesung.

Ihr
Dr. Kai Schürholt

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"Dr." Kai Schürholt I

25. Dezember 2007 - 18:17 Uhr

Zu Jahresbeginn wurde ich recht gezwungenermaßen Neubürger von Landau, denn die schöne Stadt in der Pfalz empfing mich gleich mit dem Hinweis auf ihre schicke „Zweitwohnungssteuer“, die mich eine zusätzliche Kaltmiete im Jahr kosten sollte. Um diesem Obulus an die Stadtkasse zu entgehen, entschied ich mich meine liebgewordene Identität als Ratinger Bürger und Nordrhein-Westfale aufzugeben mich nun zum Rheinland-Pfälzer mit dem Wohnort Landau in der Pfalz zu erklären.

Außer dieser Ehre wurde mir nicht viel zuteil, denn der Neubürger wird in Landau weder mit einem Gutscheinheft für die örtlichen Einrichtungen, noch mit einem Händedruck des Oberbürgermeisters begrüßt. Der erste Bürger der Stadt war nach 23 Jahren etwas Amtsmüde geworden, so dass mit meiner Einbürgerung nach Landau sich zumindest die Option eröffnete, über das nächste Stadtoberhaupt mitentscheiden zu dürfen. So musste ich also auf die Mitentscheidung über den Rathausneubau in Ratingen verzichten und konnte mich stattdessen an der Wahl zum Oberbürgermeisteramt beteiligen.

Die Kandidatenkür der CDU lief in Landau eher schwierig an, denn schließlich hatte der CDU-Amtsinhaber Wolff wenig dafür getan, einen eigenen Nachfolger in den eigenen Reihen aufzubauen. Das machte in Hinblick auf die Konkurrenz in seiner Partei sicherlich Sinn, denn wer schafft sich schon selbst seinen Gegner. Aber es macht halt nur solange Sinn, wie Wolff sein Amt weiter ausüben wollte. Bei der Kandidatensuche ging die CDU also gezwungenermaßen neue Wegel und schaute über die Landauer Stadtgrenzen hinweg ins ferne Berlin.

Dort fand man beim Deutschen Brauer-Bund einen jungen dynamischen Menschen, der bereit war, als Oberbürgermeisterkandidat in Landau ins Rennen zu gehen.

Was daraus wurde, lässt sich anderenorts in aller Ausführlichkeit nachlesen:
http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/753/130526/
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,524456,00.html
Die Chronologie aus Sicht der CDU Landau folgt am Ende diese Berichts.

Der Kandidat täuschte also einen Gehirntumor vor, hatte keinen Doktortitel und stürzte die örtliche CDU in eine tiefe Krise. Er log die Öffentlichkeit und seine Partei über Wochen hinweg an, trat schließlich von seiner Kandidatur zurück und stand am Wahltag trotzdem auf dem Stimmzettel, weil die Frist für die Benennung eines neuen anderen Kandidaten längst abgelaufen war. So konnte ich als Neubürger gleich im ersten Jahr einen Wahlzettel mit einem Kandidaten in den Händen halten, der längst als Lügner entlarvt war und am Wahlabend mit der Hilfe vieler Briefwahlstimmen noch die FDP-Kandidatin hinter sich ließ, obwohl er längst zurückgetreten war. Es war eine traurige Polit-Posse und ein Desaster für die Landauer CDU.

Am Ende gewann der Sozialdemokrat Schlimmer (rechts) mit überwältigender Mehrheit und der Christdemokrat und langjährige Amtsinhaber Wolff (links) gratulierte noch am Abend seinem Nachfolger vor den Augen der Medien im Ratssaal.

Chronologie des Wahlkampfs Schürholt
veröffentlicht am 31. August 2007 auf der Internetpräsenz der CDU Landau in der Pfalz

Chronologie Wahlkampf Schürholt:
02. Mai Schürholt stellt sich in der Findungskommission erstmals vor
10. Mai Schürholt stellt sich in Wollmesheim den Mitgliedern des Kreisvorstandes Landau, der Stadtratsfraktion und den Ortsvorsitzenden vor. Nach Befragung und kurzer Debatte unter Ausschluss des Bewerbers empfiehlt die Versammlung einstimmig (ohne Enthaltung) Herrn Schürholt
21. Mai Schürholt wird von der Mitgliederversammlung mit 97:11 Stimmen zum Kandidaten gewählt.
22. Juni Wahlkampfauftakt
Ende Juni wurde durch Herrn Waldenberger ein Schreiben von Frau Kollmar erwähnt. Herr Waldenberger maß dem Schreiben keine größere Bedeutung zu. Frau Moser, die Frau Kollmar persönlich kenne, wolle sich darum kümmern.
10. Juli Gespräch Frau Moser (Wahlkampfinitiative) mit Frau Kollmar
12. Juli Schürholt spricht mit Frau Kollmar
Schürholt erwähnt gegenüber Herrn Göbel, dass das Gespräch stattgefunden hat und dass offene Fragen geklärt seien.
24. Juli Schürholt hat einen Schwächeanfall während des Canvassings. Alle Termine für die nächsten Tage werden abgesagt.
25. Juli Schürholt geht angeblich nach Heidelberg zur Untersuchung. Er kenne dort einen Arzt aus seiner Verbindung.
26. Juli ebenfalls angeblich Untersuchungen
26. Juli Zulassung der Wahlvorschläge durch den Wahlausschuss
27. Juli Besuch Schürholts bei Herrn Göbel: Bericht über angeblichen Verdacht auf Hirntumor
Empfehlung der Universität Heidelberg sei die Einholung einer Zweitmeinung in Berlin.
Schürholt informiert am Abend auch OB Dr. Wolff hierüber.
30. Juli Schürholt trifft Herrn Göbel in Berlin. Angeblich wurde der Tumor auf der rechten Schädelbasis bestätigt. Schürholt klagt über Hör- und Sehstörungen sowie Kopfschmerzen. Er müsse sich einer Strahlenbehandlung und evtl. einer Operation unterziehen. Voraussichtlich würde die Behandlung – bei gutem Verlauf – ca. 4 Wochen dauern. Bereits organisiertes Treffen mit Bürgerinnen und Bürgern auf der Wollmesheimer Höhe wird abgesagt.
31. Juli Herr Kautzmann und OB Dr. Wolff werden von Herrn Göbel über den angeblichen Befund und den voraussichtlichen Verlauf der Behandlung informiert.
02. August Kreisvorstand und Wahlkampfkommission befassen sich mit dem Gesundheitszustand von Schürholt
Einstimmige Entscheidung: Wahlkampf geht weiter, Wechsel eines Kandidaten nicht mehr möglich
09. August nachmittags: Treffen Schürholt und Göbel in Berlin (Wohnung Schürholt). Schürholt berichtet über eingeleitete Strahlenbehandlung. Er habe Konzentrationsstörungen. Die Behandlung mit Strahlen werde fortgesetzt. Eine Operation sei voraussichtlich nicht erforderlich.
13. August hat die Bildzeitung Berlin Kontakt mit Herrn Göbel aufgenommen. Es wurde berichtet, dass eine Landauerin sich an ihn gewandt habe mit der Behauptung, dass Herr Schürholt keinen Doktortitel habe. Herr Göbel sagt der Redakteurin zu, den Titel der Doktorarbeit zu besorgen und informiert Herrn Schürholt darüber. Herr Göbel bittet, der Redakteurin den Titel der Doktorarbeit per e-mail mitzuteilen. Eine Rückmeldung der Bildzeitung erfolgte nicht, obwohl die zugesagte e-mail – wie sich am 26.8. herausstellte – nicht versandt wurde.
Gleichzeitig wurde im Laufe der Woche Internetrecherche betrieben und kein Hinweis auf die Doktorarbeit gefunden. Des Weiteren wurden Recherche betrieben bei den einzelnen von Schürholt aufgezählten Universitäten (Promotionsordnungen, ob er bekannt ist etc.). An einer Universität wurde aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskunft erteilt, eine andere Universität war zur Auskunft nicht in der Lage, an der dritten Universität wurde eine Negativauskunft erteilt.
18. August wurde Herrn Göbel durch Dritte ein Brief von Frau Kollmar überreicht, den diese am Wahlkampfstand abgegeben hat.
19. August am späten Nachmittag hat Schürholt telefonisch geg. Herrn Göbel seinen Rücktritt erklärt. Herr Göbel wies daraufhin, dass die Promotionsurkunde noch benötigt wird.
20. August ging schriftlich die Kündigung ein. Herr Göbel flog nach Berlin, um sich ein Bild über den Krankheitszustand zu machen und noch einmal die Promotionsurkunde einzufordern. Beim Treffen in Berlin-Mitte (Tucher-Restaurant) erklärt Herr Schürholt, dass die angebliche Behandlung nicht vor Ende September abgeschlossen sein werde. Er sicherte zu, dass er die Promotionsurkunde am Dienstag per Fax liefere. Außerdem liege sie ja dem Brauerbund vor.
21. August vormittags: Info an Frau Klag-Ritz und Rolf Morio über Verlauf des Termins am Vortag
Am späten Nachmittag wurde wegen Fehlens der Promotion Kontakt mit dem Brauerbund aufgenommen. Man sagte zu, die Unterlagen, soweit vorhanden, am Mittwoch zuzusenden.
Abends gemeinsame Sitzung Kreisvorstand und Wahlkampf-kommission: Wahlkampf ist beendet.
22. August kamen die Unterlagen vom Brauerbund an, aus denen der Doktorvater hervorging. Ein telefonischer Kontakt mit dem Brauerbund ergab, dass bei der dortigen Einstellung die Vorlage der Promotionsurkunde nicht gefordert wurde. Der angegebene Doktorvater wurde kontaktiert und er war sich sicher, dass Herr Schürholt bei ihm noch nicht promoviert habe. Herr Schürholt wurde wiederum aufgefordert, seine Promotion zu faxen.
23. August Nachforschungen ergeben, dass die Doktorarbeit bei der Uni Heidelberg tatsächlich eingereicht wurde und Schürholt dort als Doktorand zugelassen wurde und geführt wird. Der Doktorvater sei jedoch mittlerweile an einer anderen Universität. Man müsse dort nachfragen. Herr Schürholt meldet sich nach dem Hinweis, dass jetzt gegen ihn staatsanwaltschaftlich ermittelt werde, telefonisch bei Herrn Göbel und – mit den Rechercheergebnissen konfrontiert – gesteht seinen Titelmissbrauch.
Direkt danach hat Herr Göbel unverzügliche Lieferung eines gesundheitlichen Attestes von Schürholt eingefordert. Die Presse und eine Vielzahl von aktiven Mitgliedern im Wahlkampf wurden informiert. Herr Göbel stellt sein Amt als Kreisvorsitzender zur Verfügung.
Am späten Abend kündigt der Anwalt von Herrn Schürholt eine persönliche Erklärung für den nächsten Tag an.
24. August am späten Vormittag teilt Frau Klag-Ritz mit, sie habe Kontakt zu Herrn Schürholt gehabt und dieser habe zugegeben, auch die Erkrankung vorgetäuscht zu haben. Beantragung des Parteiauschlussverfahrens. Eingang der persönlichen Erklärung von Schürholt, dass die Krankheit ebenfalls vorgetäuscht war.
Strafanzeige gegen Herrn Schürholt durch die CDU Landau wird erarbeitet.
Information durch Herrn Morio, dass OB Dr. Wolff ihm mitgeteilt habe, dass Herr Schürholt seinen Personenstand falsch angegeben habe (ledig statt geschieden) und bereits am 18.08. seine Abmeldung bei der Stadtverwaltung eingegangen sei. Er habe dies heute erfahren.
Nach Beratung der Situation beschließt der Kreisvorstand, den Spendern die Rückzahlung der Spenden anzubieten und tritt geschlossen zurück.
27. August Strafanzeige gegen Herrn Schürholt.

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Pariser Parklücke

23. Dezember 2007 - 18:05 Uhr

Die Autofahrer in Paris sind dafür bekannt, jeden Parkraum durch offensiven Umgang mit der Stoßstange effektiv auszunutzen. Warum ein Deutscher Autofahrer sich trotzdem mit seinem besten Stück vor dem Jahreswechsel 2004/05 auf den Weg nach Paris macht, kann nur mit Übermut in Verbindung gebracht werden. Mein dunkelblauer Polo 2F, Baujahr 1991, hatte schon den einen oder anderen Kilometer zurückgelegt und hatte ganz gewiss schon die eine oder kleine Delle abgekommen. Vielleicht hat dies und nicht zuletzt die teuren Bahntickets meine Entscheidung erleichtert, zusammen mit meiner damaligen Freundin im eigenen Auto nach Paris zu fahren.

Nachdem wir die belgische-französische Grenze überschritten hatten und uns die Route über die mautpflichtige Autobahn führte, war die Begeisterung über eine staufreie und komfortable Autobahn groß. Die belgischen Schlaglöcher waren bis zum Autobahngürtel von Paris längst vergessen und dann kam ich erstmals in Kontakt mit dem Pariser Autofahrer, der es geschickt weiß, jede Lücke zu nutzen und das deutsche Reißverschlusssystem dabei schlicht unbeachtet lässt. Der Schnellere gewinnt und wer nicht weiß, welche Ausmaße sein Auto wirklich hat, muss damit rechnen, dass einen alle schlicht umkurven werden und man keinen Meter voran kommt. Wir waren Mitten im Pariser Feierabendverkehr angekommen: um 16 Uhr. Ich weiß längst nicht mehr, wie lange wir wirklich gebraucht habe, den Weg zum Hotel zurückzulegen, aber eines war gewiss. Auch ohne Navigationssystem an Bord haben wir die richtige Straße gefunden und machten uns sogleich daran, das Parkhaus zu suchen, wo mein geliebter Polo die Silvesternacht heil überstehen sollten. Auch wenn die deutsch-französische Freundschaft oft und lange beschworen worden ist, glaubte ich nicht daran, mein Auto unnötig zu Zielscheibe
für Billigböller und Silvesterraketen zu machen.

Das Parkhaus war keine 5 Fußminuten vom Hotel entfernt entpuppte sich allerdings schnell als Tiefgerage, denn es ging steil bergab. Abgesehen davon, dass ich mit horrormäßigen Parkgebühren bereits gerechnet hatte, beschlich schon ein ungutes Gefühl als ich das Parkticket aus dem Automaten entnommen hatte und merkte, wie im gleichen Moment hinter mir der Poller in der Einfahrt aus dem Boden fuhr und somit die Einfahrt für weitere Autos unmöglich machte. Es hätte nur noch gefehlt, dass das Rolltor heruntergefahren wäre und wir damit vollkommen von der Außenwelt abgeschlossen gewesen wären. Mit dem unguten Gefühl, wo die Reise wohl enden wird, ging es Meter für Meter steil bergab in die unteren Parkebenen. Die Fahrt ging über vier Ebenen und wir sahen viele Autos, aber keine einzige Parklücke. Zumindest war nicht anzunehmen, dass die einzige Lücke, die wir erspäht hatten, überhaupt meinen Kleinwagen beherbergen konnte.

Nachdem auch weitere Ehrenrunden mit Ausnahme der einzigen Lücke keine weiteren Parkplätze ans Licht brachten, stand ich wieder vor der kleinen Parkhauslücke, mit der ich mich jemals auseinander gesetzt hatte. Die Alternativen erschienen ebenso wenig attraktiv: ein anderes Parkhaus mit freien Plätzen am Silvesterabend zu finden, erschien wenig machbar und wir waren längst reif für eine Pause vom Reisestress und wollten möglichst schnell im Hotel einchecken. Dementsprechend stieg ich aus und inspizierte die Parklücke. Hätte ich einen Zollstock gehabt und die Lücke vermessen können, hätte ich das Projekt gleich aufgegeben, aber wieviel Platz wirklich vorhanden war, konnte nur ein Praxistest zeigen.

Da schnell klar, dass man nach dem Einparken weder den Kofferraum noch die Beifahrertür wird öffnen können, wurde zunächst der Wagen entladen. Dann begann ich den Wagen unter Mithilfe meiner menschlichen Einparkhilfe in die Lücke zu rollen. Als erstes wurde der Beifahrerspiegel komplett eingeklappt, schließlich ging es um jeden Zentimeter. Es galt den Wagen möglichst nah an die Wand zu setzen und dabei möglich gerade zu lenken. Mein fahrerisches Können ermöglichte es mir durchaus den Wagen in die Parklücke zu lenken, ohne dass ich nur irgendwo angeeckt wäre. Selbst hinten am Heck, wo erschwerend eine Schräge die Parklücke abschloss, war alle heil geblieben. Die Höhe der Parklücke war am hinteren Ende eher für italienische Sportwagen ausgelegt, so dass es ich praktisch auf allen Seiten jeweils nur wenige Zentimeter Platz hatte. Und das galt nicht zuletzt für die Fahrerseite.

So gab es eine gute, aber auch eine schlechte Nachricht: der Wagen stand perfekt in der Parklücke, aber ich konnte nicht mehr aussteigen. Der erste Gedanke, über die Heckklappe auszusteigen erwies sich durch die hintere Schräge als unmöglich. Der übliche Weg über die Fahrertür den Wagen zu verlassen war mit meinem Bauchumfang schlicht nicht zu leisten. Die Fahrertür ließ sich zwar einen Spalt öffnen, aber nur so, dass eine Hand durch den Schlitz gepasst hätte, wobei auch hier die Tür längst am Nachbarauto angelehnt war. Zunächst war ich vollkommen ratlos und wollte das Parkhaus wieder verlassen, bis mir die glorreiche Idee kam, es einfach so zu machen, wie es Stock-Car-Fahrer auch machen, nämlich das Auto über das Seitenfenster zu verlassen. So kurbelte ich also das Fenster hinunter, um meine 189 cm durch das enge Fenster hinauszubefördern. Ich quetschte meinen Po zwischen die beiden Autos, öffnete die Tür einen Spalt, kurbelte das Fenster wieder hoch, schloss den Wagen ab und polierte mit meiner Jeans gleichzeitig beide Autos.

Leider war niemand so geistiggegenwärtig, um direkt ein Foto zu machen, so dass lediglich Aufnahmen von dem Moment existieren, als das Auto wieder hinaus auf die Straße sollte. Aber man sieht vielleicht trotzdem, welche Schwierigkeiten in der ganzen Situation steckten.
Im Parkhaus war also genau ein Parkplatz frei und dort habe ich schließlich auch eingeparkt. Ich habe meinen Polo nie wieder in gleicher Weise verlassen müssen und konnte bis zum Verkauf des dunkelblauen Kleinwagens stets mindestens über die Beifahrertür ein- und aussteigen. Mit meinem schwarzen Golf von heute hätte ganz sicher nicht einmal annähernd in die Lücke gepasst, aber ich habe auch gar nicht vor, mein ein Jahr altes Gefährt in den Pariser Stadtverkehr zu lenken. Es gibt dort jedenfalls gute Gründe, lieber einen Kleinwagen zu fahren. Denn der passt dann wenigstens im Parkhaus auch in die letzte freie Lücke.

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Ein Bild, eine Geschichte, ein Anfang

23. Dezember 2007 - 15:48 Uhr

Eine Lebensgeschichte beginnt stets mit der Geburt. Eigentlich wäre die Weihnachtszeit im christlichen Abendland auch kein schlechter Zeitpunkt eine Lebensgeschichte zu beginnen, nur eigentlich möchte ich gar nicht meine letzten 28 Jahre Revue passieren lassen, sondern lediglich ein paar Anekdoten mit ein paar Bildern verbinden, die einem zusammen eine Geschichte erzählen lassen.

Auf dem Foto oben war Torsten ganz frisch auf der Welt, noch ungewaschen und sichtlich mit der Gesamtsituation unzufrieden. Das war am 6. September 1979, einem Donnerstag im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserswerth. Eigentlich wohnten meine Eltern in Ratingen, aber sie schenkten dem Krankenhaus in Rheinnähe mehr Vertrauen als den Krankenhäusern in meiner zukünftigen Heimatstadt. Und der Weg vom Neubaugebiet Ratingen-West nach Kaiserswerth war nicht allzuviel länger, so dass ich schließlich in Düsseldorf zur Welt kam. Ein Umstand, der mir als überzeugter Ratinger Bürger, lange zu schaffen gemacht hat, aber mit dem Alter gewinnt man die Erkenntnis, dass es durchaus positive Seiten hat. Ich brauche in Deutschland schließlich niemanden zu erklären, wo denn „Düsseldorf“ liegen würde, denn meine Geburtstagsstadt ist weithin bekannt genug – zumindest deutlich bekannter als meine Heimatstadt Ratingen, auch wenn ich die letzten 28 Jahre intensiv dazu genutzt habe, von dieser wundervollen Stadt mit rheinischem Flair und bergischen Wurzel zu schwärmen. Und schließlich werde ich stets stolz darauf sein, dass meine Heimatsstadt bereits 12. September 1276 vom Graf Adolf von Berg die Stadtrechte erhalten hat, während derselbe Graf dem Dorf an der Düssel erst 12 Jahre später dieses Recht zugesprochen hat. Immerhin kann ich aber ebenso stolz auf meinen Geburtsort sein, schließlich ist Kaiserswerth der älteste urkundlich nachweisbare Stadtteil von Düsseldorf und findet sich bereits auf Karten auf denen von Ratingen und Düsseldorf längst noch keine Rede war.

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